GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Off-Topic STS-Forum, hier darf frei über Nicht-STS-Themen gesprochen werden. Je mehr es aber mit dem Grundthema zu tun hat, desto besser.

Moderatoren: Stellwerk-Admin, Moderatoren

GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von GuyD »

Nun liegen langsam fast alle Puzzleteile auf dem Tisch, es fehlen nur noch wenige. Nun kann man langsam mit dem Zusammensetzen beginnen.
Chrisiiii
Erbauer
Beiträge: 231
Registriert: Mi Aug 22, 2018 10:09 am
StiTz: 740547

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von Chrisiiii »

Züge habe 2 spitzensignale gehabt. Die Autos dann auch. Jetzt haben die Züge 3 gebraucht.
A- und Z Designer Merxferri

Aktuelle Projekte in Merxferri: Nord-Ost-Bahn mit Großhelau und Blütum

Hier könnte Ihre Werbung stehen.
floflo
R-Admin [Thüringen, Zug-Schattenregion]Erbauer
Beiträge: 3024
Registriert: Sa Aug 24, 2013 4:46 pm
StiTz: 723247

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von floflo »

Ich erbarme mich dann mal :lol:
Bis 1993 wurden im französischen Straßenverkehr gelbe Scheinwerfer im Straßenverkehr genutzt. Im Umkehrschluss konnte man bei der Eisenbahn auf das Dreilichtspitzensignal verzichten und nur 2 weiße Lichter nutzen (da ein Missverständnis durch den Unterschied gelb - weiß nicht möglich war). Als dann aber im Jahre 1993 durch die EU weiße Lichter mehr oder weniger vorgeschrieben wurden im Straßenverkehr und Frankreich dann entsprechend nachzog, musste der Eisenbahnverkehr auf das Dreilichtspitzensignal umgestellt werden, damit hier wieder eine genaue Unterscheidung zwischen Straßenfahrzeug und Schienenfahrzeug möglich wurde.
R-Admin Thüringen
Erbauer in der Region Baden-Württemberg, Großbritannien und in einem Großteil der Schweiz (Tessin usw.)
Chrisiiii
Erbauer
Beiträge: 231
Registriert: Mi Aug 22, 2018 10:09 am
StiTz: 740547

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von Chrisiiii »

Ah, ok. War ja echt schwer...
A- und Z Designer Merxferri

Aktuelle Projekte in Merxferri: Nord-Ost-Bahn mit Großhelau und Blütum

Hier könnte Ihre Werbung stehen.
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von GuyD »

Somit gelöst! Schon noch speziell, wie eine an sich banale Änderung einen richtigen Rattenschwanz hinter sich herziehen kann!
DehWeh
Beiträge: 31
Registriert: Do Jul 31, 2008 7:15 pm
StiTz: 707816

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von DehWeh »

Spontane Idee wäre irgendwas mit Einsatzfahrzeugen, die mit Sonderrechten unterwegs sind...?
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von GuyD »

Ist doch schon gelöst!
DehWeh
Beiträge: 31
Registriert: Do Jul 31, 2008 7:15 pm
StiTz: 707816

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von DehWeh »

Hoppla, sorry. Ich hatte irgendwie die letzten Beiträge übersehen bzw. vergessen weiterzublättern :roll: Termin beim Optiker ist gemacht :wink:
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Eilmeldung: Kurioser Unfall in den Niederlande

Beitrag von GuyD »

Chrisiiii
Erbauer
Beiträge: 231
Registriert: Mi Aug 22, 2018 10:09 am
StiTz: 740547

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von Chrisiiii »

Joa, die bremsung ist zwar etwas zu weit vorne, aber die Flosse kann was^^
A- und Z Designer Merxferri

Aktuelle Projekte in Merxferri: Nord-Ost-Bahn mit Großhelau und Blütum

Hier könnte Ihre Werbung stehen.
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Provisorische Bahnhöfe.

Beitrag von GuyD »

Eine Schweizer Spezialität (und sicher auch anderswo) ist das sogenannten Providurium. Ein Kofferwort bestehend aus Provisorium und "dure", dem schweizerdeutschen Wort für dauern. Gemeint sind damit provisorische Einrichtungen, die sich viel länger halten, als geplant. In der Schweiz gab es zwei solche Bahnhöfe. Lausanne Chesseron an der Chemin de Fer Lausanne-Échallons-Bercher (LEB) und Zürich Selnau der Sihltal-Zürich-Üetlibergbahn (SZU). Beiden gemeinsam ist, dass sie die am damaligen Stadtrand gelegene Endstation der Bahn waren, man aber von Anfang an einen Weiterbau Richtung Zentrum plante und darum nur provisorische Endbahnhöfe erstellte. Nur dass diese Weiterführung halt auf sich warten liess. Bei beiden Bahnhöfen dauerte es über 120 Jahre, bis es endlich soweit war. Bei beiden war durch die inzwischen gewachsene Stadt nur noch eine unterirdische Linienführung möglich, was zu einem Abriss der provisorischen Bahnhöfen führte. Bei der SZU hatte dieses Warten auf die Verlängerung zudem noch ein Eisenbahnkuriosum zur Folge, welches später auch mal noch hier auftauchen wird.

Doch im Berner Oberland, genauer gesagt in Brienz, konnte man das noch toppen! Dort baute man einen Bahnhof auf Vorrat, den man dann prompt nicht benötigte! Die Jura-Bern-Luzern Bahn (JBL) eröffnete 1888 die meterspurige Brünigbahn. Zu Beginn stellte sie ein Inselnetz dar, da sie nur zwischen Alpnachstad und Brienz verkehrte. Von und nach Luzern bzw. Interlaken mussten die Passagiere das Dampfschiff benutzen. Das war für die Bahn unbefriedigend, und schon ein Jahr später ging die Verlängerung nach Luzern in Betrieb. Ein Jahr später wurde die JBL und damit auch die Brünigbahn von der Jura-Simplon Bahn (JS) übernommen. Mit der Verstaatlichung der Bahnen gelangte die Brünigbahn zur neugegründeten Schweizer Bundesbahnen SBB und wurde deren einzige schmalspurige Strecke. Diese machten sich nun daran, die noch vorhandene Lücke zwischen Brienz und Interlaken zu schliessen. Doch dies führte zu mehreren Intressenkonflikten. So stritt man sich u.A. über die Spurweite. Die SBB wollten die Strecke normalspurig bauen und gleichzeitig den flachen und nur wenige, dazu noch langgezogene, Kurven aufweisenden Abschnitt Brienz - Meiringen umspuren. Die Berner hingegen wollten die Schmalspur beibehalten, damit weiterhin direkte Züge in die Innerschweiz möglich waren. Schliesslich einigte man sich auf einen gutschweizerischen Kompromiss: Die Strecke wurde normalspurig gebaut, aber die Linienführung, Brücken und Tunnels wurden in einem normalspurigen Profil erstellt um eine allfällige spätere Umspurung nicht auszuschliessen. Streit gabe es auch um die Linienführung in Brienz. Die SBB wollten die Linie offen führen, die Brienzer forderten einen Tunnel. Nicht wegen der Aussicht oder dem Lärm, nein wegen dem Brandschutz! Das ganz aus Holzhäusern bestehende Dorf war schon mehrmals niedergebrannt, vor allem der häufig dort sehr stark blasende Föhn war da ein grosses Problem. Apropos: Auch heute noch gilt in dieser Gegend bis heute bei Föhn ein absolutes Verbot von offenen Feuern! Mit Unterstützung der lokalen Politiker setzten sich die Brienzer schliesslich durch. Doch die SBB hatten, in fester Überzeugung Recht zu bekommen, schon einen neuen Bahnhof im Ortszentrum gebaut! Dieser wurde durch die Tunnellösung überflüssig und beherbergt heute ein Blumengeschäft. Soviel ich weiss musste die Gemeinde Brienz als Teil für die von ihnen gewünschte Lösung diese Immobilien käuflich erwerben.
PoFraBoPil
Beiträge: 22
Registriert: Mi Mai 13, 2020 12:00 am

Re: Provisorische Bahnhöfe.

Beitrag von PoFraBoPil »

GuyD hat geschrieben: Mi Nov 11, 2020 3:08 pm Schliesslich einigte man sich auf einen gutschweizerischen Kompromiss: Die Strecke wurde normalspurig gebaut, aber die Linienführung, Brücken und Tunnels wurden in einem normalspurigen Profil erstellt um eine allfällige spätere Umspurung nicht auszuschliessen.
Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen, die Strecke sollte meterspurig gebaut werden.
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von GuyD »

Da hast du natürlich Recht!
GuyD
Erbauer
Beiträge: 1240
Registriert: So Jul 08, 2007 11:37 pm
StiTz: 705201

Re: GuyD's Kuriositätenkabinett der Eisenbahn

Beitrag von GuyD »

Wievele Stationen kann ein Bahnsteig haben?

Es handelt sich hier nicht um vertauschte Wörter, nein, die Frage ist ernst gemeint! Aber beginnen wir doch von vorne.

In den im Zuge der Industrialisierung stark wachsenden Städte sorgte der Verkehr für zunehmende Probleme. Zwar gab es schon Strassenbahnen, die zuerst mit Pferden, dann mit Dampfkraft bewegt wurden, aber so gegen 1880 reichten die vielerorts nicht mehr. Eine grosse Bahn musste her. Aber wohin damit? Die oftmals historisch gewachsenen und somit engen und verwinkelten Innenstädte boten gerade mal dem Tram genug Platz. Apropos: Wie weit man dabei gehen kann, beweist ein Besuch in Lissabon. Da zwängen sich die zweiachsigen Wagen durch Gassen, wo man es sich kaum vorstellen kann, wie man nur schon auf die Idee kommen konnte da eine Strassenbahn zu bauen! Es blieb nur der Weg in den Untergrund. Die damals grösste Stadt der Welt, London, wagte schon 1863 diesen Schritt, sah sich aber mit enormen Baukosten und Abluftproblemen konfrontiert. Was anderes als Dampfloks hatte man damals eben noch nicht! Man experimentierte mit Loks, deren Rauch und Abdampf auf den Tunnelstrecken durch die Wassertanks geleitet wurde, aber das bewährte sich gar nicht. Es blieb einzig die Verwendung besonders raucharmer (und teurer) Kohle. Es verwundert daher nicht, dass man sich schon früh, so ab 1885, für die aufkommende elektrische Traktion interessierte. Andere Städte warteten aus diesem Grund noch zu bis die Elektrotechnik genug weit war und bauten von Beginn an elektrische U-Bahnen.

In den USA und Kanada verlief die Geschichte anders. Zwar hatten sie die gleichen Verkehrsprobleme, aber die am Reissbrett geplanten und schachbrettartig angelegten Städte mit ihren breiten Strassen erlaubten den Bau von Hochbahnen. Das war viel billiger im Bau als Untergrundbahnen und auch der Einsatz von Dampfloks war kein Problem. Dem Lärm schenkte man damals noch nicht soviel Beachtung. So ab 1880 entstanden grosse Netze. Obwohl die Elektrotechnik schnelle Fortschritte machte, setzten viel Hochbahnen weiterhin auf Dampf. Denn es war billiger! Schliesslich fiel die ganze Infrastruktur die für den elektrischen Betrieb notwendig wäre weg. Zudem war die Stromversorgung vielerorts überhaupt nicht sichergestellt, man hätte also sogar noch oft ein eigenes Kraftwerk bauen müssen. Und das wäre zu dieser Zeit oft ein Kohlekraftwerk geworden. Warum also die Kohle nicht gleich direkt in den Loks verfeuern statt den Umweg über ein Kraftwerk zu machen?

Doch der Verkehr nahm ständig zu, und damit rückte die elektrische Traktion wieder stärker in den Fokus. Denn die Strecken der Hochbahnen waren traktionstechnisch oft schwierig. Die kurzen Haltestellenabstände verlangten nach einer starken Beschleunigung. Die Rampen waren steil und die Kurven eng. Es gab zwar wegen der quadratischen Strassenanordung nur wenig Richtungsänderung, aber wenn doch, dann gleich 90° und das auf einer Kreuzung. Um es kurz zu machen, die Dampfloks durften maximal zwei Antriebsachsen haben um diese Kurvenradien noch bewältigen zu können. Sie waren also relativ klein und entsprechend zugschwach. Auch die Emissionen (Rauch und Lärm) wurden zunehmend als lästig empfunden. Last but not least, die Pfeiler der Brückenkonstruktionen brauchten eben doch Platz und den würde die Städte gerne nutzen. Nach und nach wurden die Hochbahnen unter die Erde verlegt, zumindest in den Zentren. In den Aussenquartieren existieren sie tw. bis heute, zum Beispiel in New York.

Eine Stadt blieb der Hochbahn jedoch treu: Chicago am Lake Michigan. Da erst relativ spät errichtet, lief sie von Beginn an elektrisch mit Stromzuführung durch eine dritte Schiene. Herzstück des Netzes ist der sogenannte Loop im Zentrum der Stadt, ein rechteckig angelegter Ring. Er wurde so bekannt, dass die Innenstadt von den Einwohnern schlicht «the loop» genannt wird! Eine klassische Ringlinie gibt es allerdings nicht, viel mehr wird er als Wendeschleife für die Aussenäste befahren. Die Green Line (In Chicago haben die Linien Farben statt Nummern) durchquert ihn als einzige Linie. Chicago benutzt Zweirichtungsfahrzeuge, betrieblich notwendig wäre er also nicht. Doch er wurde vor allem errichtet, um diverse Aussenlinien miteinander zu verknüpfen.

Doch weil sich im Loop alle Linien bündelten, entwickelte er sich zu einem Nadelöhr und Störungen dort wirkten sich sogleich im ganzen Netz aus. Als in den 1930er die grosse Wirtschaftskrise über die USA und somit auch Chicago hereinbrach, startete US-Präsident Franklin D. Roosevelt ein umfassendes Förderprogramm, «new deal» genannt. Mit Geldern aus diesem Topf begann nun auch in Chicago das U-Bahnzeitalter. Es entstanden zwei Tunnelstrecken, die innerhalb des Loops parallel verlaufen. Dadurch wurde dieser spürbar entlastet. Der östliche benutzt die Red Line, den westlichen die Blue Line.

Diese beiden unterirdischen Strecken weisen im Innenstadtbereich eine Besonderheit auf. Jeweils drei Stationen besitzen einen durchgehenden Mittelbahnsteig. Bei der Red Line gibt es in diesem Bereich sogar noch eine stillgelegte Haltestelle, somit stoppte diese sogar viermal am gleichen Bahnsteig! Der Bahnsteig der Blue Line ist über 700m, derjenige der Red Line sogar über 1000m lang! Es sind dies die längsten U-Bahnsteige der Welt und sicher auch ansonsten ganz weit vorne anzutreffen. Diese Bahnsteige sind übrigens durchgehend auch für Publikum geöffnet. Wer also mal ganz legal in einer U-Bahn durch den Tunnel von einer Haltestelle zur nächsten wandern will, hat hier die Gelegenheit dazu.

Anschauen könnt ihr das auf youtube. Die Chicago Transit Authority, welche den Nahverkehr betreibt, hat 2019 alle ihre Linien aus der Tf-Perspektive ins Netz gestellt! Aber seid gewarnt, denn es könnte euch so gehen wie mir! Eigentlich wollte ich nur die überlangen Bahnsteige anschauen, jetzt bin ich dabei, virtuell das Netz abzufahren. Kleiner Tipp: Wenn ihr die Untertitel einblendet, erhaltet ihr interessante Zusatzinformationen (nur auf Englisch).

Blue line
north-south:
https://youtu.be/HO01aoFcFIU?list=PL0-s ... 1M9&t=2909
south-north
https://youtu.be/DvSuqpsoTsE?list=PL0-s ... 1M9&t=1940

Red line
north-south
https://youtu.be/S68x-3Qgczs?list=PL0-s ... 1M9&t=2303
south-north
https://youtu.be/iBq99AeLRYo?list=PL0-s ... 1M9&t=1605
Antworten